Wieviel Streik ist noch gesund?

Streiks waren in der Vergangenheit eine wirksame Methode, mit der Arbeiter ihren Chefs verdeutlichen konnten, wer die Arbeit in der Firma macht.
Sie waren das perfekte Instrument um das Gleichgewicht zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herzustellen. Doch was, wenn Gewerkschaften versuchen durch immer wiederkehrende Streiks das Gleichgewicht zu ihren Gunsten zu zerstören? Wenn Arbeitsniederlegungen nicht mehr im Zusammenhang mit Forderungen der Arbeiter stehen (die ja schon längst erfüllt sind), wenn der Streik dazu führt, das unbeteiligte darunter mehr leiden, als die Chefs, oder wenn gar der Streik das Unternehmen in den Ruin treibt.

Zugegeben bei einem Busunternehmen, das jederzeit Möglichkeiten hat an staatliche Unterstützung zu gelangen, ist es sehr weit hergeholt tatsächlich von drohendem Ruin zu sprechen. Aber die Auslastung der Busse profitiert garantiert nicht von dieser Unzuverlässigkeit.
Die Leute in dieser Kleinstadt werden von verdi ja geradezu gezwungen sich ein Auto zuzulegen, das sie dann wieder irgendwo parken müssen, mit dem sie sich morgens und abends wieder über die verstopften Straßen quälen müssen, mit dem sie Anwohnern der Innenstadt wieder ein Stückchen Ruhe rauben. (Obwohl ich zugeben muss, dass es heute ruhiger ist, ohne die dröhnenden Dieselmotoren der Kevagbusse — Liebe Kevag, wie weit sind eure Elektrobusse? ;-) )

Nur mal angenommen Streiks werden heute tatsächlich nicht mehr zur Herstellung eines Gleichgewichtes gebraucht, sondern als Massenvernichtungswaffe.
Unfair? auf jeden Fall. Aber das ist wohl kein überzeugendes Argument. Unfair sind aus Sicht der Gewerkschaften immer die Unternehmer. Gegen die muss man sich wehren.
Was also spricht auch aus Sicht der Gewerkschaften gegen den übermässigen Einsatz von Streiks?
Die Waffe wird stumpf!
Aber wie denn, die Unternehmen erleiden doch immer noch Schaden!
Tun sie, und wer soll dann die Arbeiter bezahlen, wenn das Unternehmen nichts mehr verdient?
Die ersten Arbeiterverbände hatten zudem die Sympathie der Bevölkerung auf ihrer Seite. Die verlieren sie aber ganze schnell, wenn Kinder nicht mehr zur Schule kommen, andere Arbeitnehmer um ihren Job bangen müssen, weil sie sich verspäten, wenn vom knappen Haushaltsgeld auch noch ein Auto finanziert werden muss, weil die Busse unzuverlässig sind.
Und die Forderungen?
Die sind nicht einmal bekannt. Schämen sich die Gewerkschaften, weil sie selbst wissen wie übertrieben die Forderungen sind? Oder haben sie einfach ein so schlechtes Taktgefühl, dass sie deswegen die Leute nicht wissen lassen wofür sie nun schon wieder ohne ÖPNV auskommen müssen.
Also liebe Gewerkschafter,
verratet uns doch warum heute schon wieder keine Busse fahren. Die Seite der Kevag hat nämlich sehr überzeugend dargelegt, dass es sich bei den Streiks um einen gezielten Kampf zur Vernichtung einiger Unternehmen handelt.
Wenn ihr das anders seht, dann gebt das auch bekannt, sonst bleibt kaum eine andere Möglichkeit als der Kevag zu glauben, dass ihr Schweine seid.

Wart ihr auch alle brav?

Glauben kann ich es kaum, bei einer Wahlbeteiligung von kaum mehr als 70%.
30% verschenkte Stimmen (inklusive der ungültigen), das sind mehr als es SPD-Wähler gibt!
Kuckt euch gut an was ihr da gewählt habt, wofür eure Stimmen in den nächsten vier Jahren mißbraucht werden. Ihr könntet zweitstärkste Partei in diesem Land sein, wenn ihr euch nur zur Wahl entschlossen hättet! Kommt also nicht an und meckert über die schwarz-gelbe Regierung. Ihr habt sie selbst gewählt. Das habt ihr nun davon. Bitte schön. Seht zu wie ihr damit klar kommt.
Ich kann wenigstens noch meckern.
Wehe ihr kommt auf die Idee auch nur einen Pieps von euch zu geben. Es war eure Entscheidung.
Genug Aspirin hilft sogar gegen die Pest. Selbst Schuld wer garnichts nimmt.h

warum ich mir das Fernsehduell der Kanzlerkandidaten nicht angesehen habe

Gerade finden die ersten Diskussionen über die Erkenntnisse, die im Duell gewonnen werden konnten statt. Wer hat wo wieviele Punkte gemacht. Wer war sympathischer, fairer, kompetenter und und und.
Doch der Sinn dieses Duells erschließt sich in bezug auf die kommende Wahl nicht.
OK.
Die Erfahrung zeigt, dass es tatsächlich nur zwei Kandidaten gibt, die eine echte Chance haben Kanzler zu werden. Doch wir haben in diesem Land kein zwei Parteien System. Wir entscheiden nicht zwischen CDU und SPD. Es sind fünf aktuell bereits vertretene Parteien, mit denen gerechnet werden muss. Dass die anderen in dieser Rechnung weggelassen werden, kann ich ja noch verstehen. Zum einen aufgrund der Übersichtlichkeit der Diskussion, zum anderen, weil es Parteien gibt, die nicht zu jeder Frage eine Meinung haben.
Doch zumindest die Meinungen der möglichen Koaltitionspartner, die ja auch die Handlungsmöglichkeiten des Kanzlers einschränken würden, sind für die Wahlentscheidung wichtig.
Rot-grün macht eben eine andere Politik als rot-rot oder gar rot-gelb. Ebenso würde schwarz-gelb anders aussehen als Jamaika.

Hinzu kommt, dass in einem Fernsehduell Dinge wirken, die mit Politik nicht viel zu tun haben. Sympathie wirkt überwiegend durch Aussehen, Stimmlage oder Ausdrucksweise. Ob Argumente Überzeugungskraft entwickeln, hängt in audiovisuellen Medien stärker von der Sympathie ab, als in schriftlichen.

Als letzter Punkt kommt hinzu, dass die Regeln dieses Fernsehduells einer guten Diskussion eher im Wege stehen. Die Redezeiten sind viel zu kurz gehalten, um eine Argumentation aufbauen zu können. Die Redner haben die Wahl, entweder ihr stärkstes Argument (relativ) genau auszuführen, oder alle Argumente kurz anzureißen. Im ersten Fall besteht die Gefahr, dass der Gegner dieses Argument aushebelt, indem er ein Gegenargument bringt, welches erst mein zweites Argument außer Kraft setzen würde. Im zweiten Fall kann es sein, dass die Zuschauer mich nicht verstehen. Argumente des Gegeners zu entkräften wiederum kostet mich wertvolle Zeit, in denen ich eigene Argumente bringen könnte. Dies wiederum wäre eine Strategie, die mich Sympathiepunkte kostet.
All diese Überlegungen führen meist dazu, dass sehr viele Argumente, die in den Parteiprogrammen bereits angelegt sind, nicht genannt werden. Wichtig wären diese Argumente aber um zu erkennen, wie wichtig den jeweiligen Parteien die Punkte sind, wie Kompromisse mit möglichen Koalitionspartnern aussehen würden.

Alles in allem führt das Kanzlerduell eher zu mehr Verwirrung, als zu einer leichteren Entscheidung. Ein Verzicht hierauf hat also eher politischen Wert.

Ein paar Links zum Wochenende

Einen kurzen Überblick über alle zur Wahl stehenden Parteien bietet natürlich auch die Bundeszentrale für politische Bildung
In einem kurzen Absatz werden die Gründungsgeschichte und die Ideen der Gründer dargelegt, ein wenig ausführlicher folgen die aktuellen, politischen Leitmotive. Insgesammt wird jede Partei auf knapp einer halben Seite Text präsentiert.
Dazu folgen hier die Grundsatzprogramme der wählbaren Parteien. Im Gegensatz zu anderen informierenden Internetseiten sortiere ich die Parteien nicht nach Sympathie, sondern halte mich an die vom Bundeswahlleiter veröffentlichte offizielle Reihenfolge.

Im 16. Deutschen Bundestag vertretene Parteien:
1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD),
2. Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU),
3. Freie Demokratische Partei (FDP),
4. DIE LINKE (DIE LINKE),
5. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (GRÜNE),
6. Christlich-Soziale Union in Bayern e.V. (CSU).

Außerdem folgende Parteien:
7. DEUTSCHE VOLKSUNION (DVU),im Landtag Brandenburg seit dessen letzter Wahl am 19. September 2004 mit sechs Abgeordneten vertreten;
8. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), im Landtag Mecklenburg-Vorpommern seit dessen letzter Wahl am 17. September 2006 mit sechs Abgeordneten und im Sächsichen Landtag seit dessen letzter Wahl am 19. September 2004 mit derzeit acht Abgeordneten vertreten.

Folgende 21 Vereinigungen hat der Bundeswahlausschuss für die Wahl des 17. Deutschen Bundestages als Parteien anerkannt (Reihenfolge nach Eingang der Beteiligungsanzeigen):
[Links jedoch nur bei den mich als Rheinland-Pfälzerin auch relevanten Parteien]
1. FAMILIE Familien-Partei Deutschlands
2. DIE VIOLETTEN Die Violetten; für spirituelle Politik
3. CM CHRISTLICHE MITTE – Für ein Deutschland nach GOTTES Geboten
4. PBC Partei Bibeltreuer Christen
5. BP Bayernpartei
6. PIRATEN Piratenpartei Deutschland
7. ödp Ökologisch-Demokratische Partei
8. PSG Partei für Soziale Gleichheit, Sektion der Vierten Internationale
9. Volksabstimmung Ab jetzt…Bündnis für Deutschland, für Demokratie durch Volksabstimmung
10. DKP Deutsche Kommunistische Partei
11. RENTNER Rentner-Partei-Deutschland
12. Die Tierschutzpartei Mensch Umwelt Tierschutz
13. RRP Rentnerinnen und Rentner Partei
14. REP DIE REPUBLIKANER [Ein Bundesweit einheitliches Grundsatzprogramm war nicht zu finden]
15. ADM Allianz der Mitte
16. BüSo Bürgerrechtsbewegung Solidarität
17. FWD Freie Wähler Deutschland
18. ZENTRUM Deutsche Zentrumspartei – Älteste Partei Deutschlands gegründet 1870
19. DVD Demokratische Volkspartei Deutschland
20. MLPD Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands
21. (keine Kurzbezeichnung) Freie Union

Ich habe bewusst ALLE in Rheinland-Pfalz wählbaren Parteien mit ihrem Programm hier aufgelistet. Auch wenn ich der Meinung bin, dass auf dieser Liste Gruppierungen aufgeführt sind, die die Bezeichnung Partei nicht verdienen. Solange die Bundesregierung sich nicht dazu entschließen kann demokratiefeindlichen Gruppierungen das passive Wahlrecht zu verwehren, stehen halt alle auf der Liste drauf.

Der Wahlomat

Eine Möglichkeit die richtige Partei für das Kreuz zu finden ist der Wahlomat.
38 Thesen zu Wirtschaft, Bildung und weiteren politisch relevanten Themen sind mit Zustimmung oder Ablehnung zu bewerten. Die Antworten werden dann mit den Bewertungen der Parteien verglichen und die größte Übereinstimmung ermittelt. Eine nette Idee, um schnell und einfach einen groben Überblick zu erhalten. Leider nicht mehr.
Das Programm eine einige Mängel, die die Orientierung sogar erschweren können.
Es beginnt bei den Thesen.
Einige Sätze sind klar formuliert, die Antwort fällt leicht. Wie direkt bei der ersten These: „Die Laufzeit der Atomkraftwerke soll verlängert werden.“ Die meisten haben hierzu bereits eine Meinung, die sie hier angeben können. Und bei einigen dieser einfachen Thesen ist auch schon klar, auf welche Partei(en) Zustimmung oder Ablehnung hinausläuft.
Doch finden sich auch Thesen, die so unklar formuliert sind, das kaum ersichtlich wird wie sie gemeint sind.
Bestes Beispiel: These 25: „Die Wehrpflicht soll in ihrer jetzigen Form beibehalten werden.“
Will man hier zustimmen ist es einfach. Wenn man diese Aussage macht, ist klar, was man meint. Doch was heißt es, dieser These nicht zuzustimmen?
Will man dann die Wehrpflicht abschaffen oder ausweiten? Will man mehr Soldaten, mehr Zivildienstleistende oder mehr Freiheit?
Man könnte in diesem Punkt also mit einer Partei übereinstimmen, die genau das Gegenteil vertritt, von dem, was man selbst will. Der Wahlomat nimmt einem also nicht die Arbeit ab, selbst Wahl- und Parteiprogramm zu lesen.
Auch weil viele der Thesen kaum eindeutig mit ja oder nein zu bewerten sind. Es gibt eben Punkte in der Politik, die sind nicht eindeutig zu beantworten. Da will man zwar die eine Antwort geben aber weiß aber, dass es (noch) keine Umsetzungsmöglichkeit gibt, die einem gefallen würde.
Eine eine Übereinstimmung bei solchen Thesen, deren Beantwortung einem selbst Kopfzerbrechen bereitet, ist für die Bewertung einer Partei wertlos, wenn man nicht erfährt, welche Argumente für die Partei ausschlaggebend waren. Oder welche Ideen als Alternative vorgeschlagen werden. Es hilft wieder nur der Blick auf die entsprechenden Programme.
Zuletzt noch ein großer Fehler des Wahlomten: Der Vergleich der Antworten wird nicht mit allen Parteien gezogen. Zur Auswertung kann man maximal 8 Parteien auswählen, mit deren Antworten die eigenen verglichen werden. Und es gibt kein Minimum, man kann sogar bloß mit einer Partei vergleichen.
Diese Auswahl, die man treffen muss, beruht ja bereits auf einer Meinung, die man über die Parteien hat. Zugegeben, niemand geht komplett ohne Meinung in dieses Programm rein. Doch mögliche Überraschungen werden dadurch ebenfalls verhindert. Sollte man seine Meinung nicht mit allen Parteien abgleichen, um wirklich eine Wahl treffen zu können?
Nun möglich ist es, über einen Umweg.
Sobald man die ersten acht Parteien im Vergleich gesehen hat, kann man zurückgehen und die nächsten acht auswählen, um den Vergleich zu erneut zu starten. Ein erneutes Ausfüllen des Fragebogens ist zum Glück nicht notwendig.
So kann man doch noch zu einem groben Überblick kommen, der vielleicht beim Durcharbeiten der Parteiprogramme hilft.
Als abschließende Entscheidungshilfe jedoch ist der Wahlomat abzulehnen.
Die Thesen sind ohne ausformulierte Argumente nicht aussagekräftig, und Übereinstimmungen können ebenso grundsätzliche Unterschiede sein.

Warum „Nichtwählen“ keine Option ist.

Die Versuchung war selten so groß wie in diesem Jahr, das Wählen einfach sein zu lassen. Die Parteien (zumindest die, von denen in den Medien die Rede ist) waren sich selten so einig, was richtig und was falsch ist. Wohl auch deshalb findet ein Wahlkampf bisher scheinbar nicht statt.
Wie soll man als Partei für sich werben, wenn man doch das selbe sagt, wie der politische Gegner? Die einen stecken den Kopf in den Sand in der Hoffnung, die Wahl werde vorrüberziehen. Die anderen werben damit, dass die anderen den Kopf in den Sand stecken, in der Hoffnung die Wahl werde vorrüberziehen. Doch anfangen mit dem Wahlkampf will keiner. Aus Angst der Arschtritt könnte zur Gegenwehr auffordern.
Da gehen auch viele Wähler hin und denken, die Wahl wird so oder so bald hinter uns liegen, und dann ist wieder alles wie jetzt auch. Wozu also sich den Sonntag nachmittag mit dem mühsamen Gang zur Wahlurne erschweren?

Punkt 1: Der Sonntag nachmittag ist kein Argument, man kann sich den Wahlzettel ja auch nach Hause kommen lassen.

Punkt 2: Das hinter der Wahl alles so aussieht wie vorher schon, dass hat auch ein wenig mit denen zu tun, die wählen gehen. Schließlich hat jeder eine Stimme und je nachdem welche Partei am häufigsten angekreuzt wird, desto … Aber das weiß ja jeder, so funktioniert die Wahl eben.

Und wenn es keinen Unterschied macht, ob die Regierung anschließend schwarz-rot oder gün-gelb ist, dann scheint es ja doch keinen Unterschied zu machen ob ich wähle oder nicht.

FALSCH!

Denn als Wahlberechtigter wähle ich immer. Ungeachtet dessen, ob mein Wahlzettel genutzt wurde oder nicht. Meine Stimme landet in der großen Statistik, wird aufgerechnet.
Die moderne Demokratie geht nämlich immer und unbedingt davon aus, dass die große Fraktion der Nichtwähler (22,3 %) sich repräsentativ aus den gewählten Parteien zusammensetzt. Dass heißt man geht unhinterfragt davon aus, dass, wenn man diese 22,3% der Nichtwähler zur Stimmabgabe zwingen würde, sie das gesamtergebnis der Wahl nicht verändern würden.
Oder im Klartext: Jeder der 2005 nicht gewählt hat stimmte jeweils zu einem Drittel für Union und SPD sowie dem letzten Drittel für FDP, Grüne und Linkspartei
Ja schauen Sie hin, werter Nichtwähler. Das war Ihre Stimme! Sie wurde mitgezählt. Und zwar genauso.

Daran wird sich auch nichts ändern, wenn Sie in diesem Jahr ihre Wahlbenachrichtigung an den Wahlboykott schicken, böse Briefe an die Regierung darauf schreiben oder ohne Kreuz in die Urne stecken. Ihre Stimme wird gezählt. Und Sie überlassen es anderen an Ihrer Stelle zu entscheiden, wie Ihre Stimme aussieht.

Das ist das Gegenteil von Anarchie!
Für diese Haltung gibt es bisher noch nicht einmal ein Wort. Oder wie heißt das Volk, das sich freiwillig einen Despoten an die Spitze setzt? Das gab es bisher noch nicht. Jahrhundertelang wurde für die freie Wahl gekämpft, und wie verschenken sie einfach? Aus Faulheit? Aus Resignation?
Das kann nicht der richtige Weg sein.

Ich gebe zu, ich habe auch keinen Allheilvorschlag, gegen den Einheitsparteienbrei. Aber vielleicht eine Idee:
Konkurrenz belebt das Geschäft.
Ob sich diese Idee als gut heraus stellt, will ich in den nächsten Wochen noch erörtern.
Es gibt zwei Möglichkeiten:
Zum einen kann eine Regierungspartei nicht leugnen, wenn 30% der Wähler weder Regierung noch Opposition sondern die „Anderen“ gewählt haben.
Zum anderen kann es sein, dass ab und zu eine neue Partei über der 5% Hürde frischen Wind in den Laden bringt.

Oh! Halt! Wollen wir nicht vorschnell urteilen. Vielleicht taugt ja sogar eine der „Bif Five“ zu etwas.

Was ist eigentlich ein Bildungsstreik?

Die einfachsten Antworten findet man wohl auf der Seite des Bildungsstreiks direkt.
Hauptziel des Bildungsstreikes sind bessere Bildungschancen für alle. Ein Ziel, das ich auf jeden Fall unterstütze. Aber bei all diesen Aktionen frage ich mich dennoch: Ist ein Bildungsstreik der richtige Weg?

Ein Streik ist eine Arbeitsniederlegung.
Schüler und Studenten verweigern also die Arbeit, um für bessere Bedingungen zu kämpfen.
Wem wollen sie aber damit weh tun?
Ein Streik funktioniert doch nur, weil die Arbeitsniederlegung einen größeren wirtschaftlichen Schaden anrichtet, als das Eingehen auf die Forderungen.
Bei einem Bildungsstreik jedoch tut die Arbeitsverweigerung niemandem weh, außer den Studenten selbst. Im Gegenteil, die Probleme, gegen die wir ankämpfen lösen sich dadurch scheinbar von selbst.
Überfüllte Seminarräume?
Nicht, wenn die Studenten streiken.
Überforderte Dozenten?
Im Streik fordert die Dozenten niemand heraus.
Arbeitslose Absolventen?
Vom streiken hat noch keiner den Abschluss geschafft.
Die Politik kann sich also über ausgedehnte Streiks nur freuen.
Natürlich sieht die Realität anders aus. Es wird ja nicht, wie beim Arbeitskampf monatelang gestreikt. Es ist eben kein Streik. Es ist eine Demonstration.
Die Studenten machen auf Missstände aufmerksam, fordern laut ihr Recht. Erklären, dass ihre Forderungen für alle das beste sind. Es soll bewußt niemand bedroht werden. Die Studenten fordern von niemandem auf eigene Vorteile zu verzichten. Im Gegenteil.
Gute Bildung für alle ist ein Vorteil für jeden, der in dieser Gesellschaft lebt.
Niemand muss zurückstecken. Investitionen in die Bildung liegen bei jedem im eigenen INteresse.
Leider gibt es viel zu viele, die das nicht glauben.
Die Gelder lieber woanders anlegen. Die möglicherweie neidisch sind auf andere, weil sie selbst nicht jede Chance genutzt haben. Die vielleicht Angst vor Konkurrenz haben. Die die Probleme nicht sehen.
Diese Leute gilt es zu überzeugen.
Daß die Investition in die Zukunft der Bildung die beste Rendite bringt.
Daß ihr Neid ungerechtfertigt ist.
Daß die Uni nicht nur Konkurrenten sondern Nachfolger, Kollegen und Auftraggeber hervorbringt.
Daß das Bildungssystem im Moment tatsächlich große Probleme hat.
Die meisten der Aktionen, die im Bildungsstreik geplant und ausgefürt werden können hier wichtige Erfolge liefern. Nur der Name der der Aktion ist falsch.
Wir legen nicht unsere Arbeit nieder.
Im Gegenteil.
Wir stehen auf um arbeiten zu können.

Hat er es wieder mal geschafft

Er ist der Kapitalismus, und geschafft hat er einen kreativen Menschen grundlos in den Boden zu stampfen.

Aber fangen wir von vorne an:

Es war einmal ein Pfarrer, der wollte die Geschichten der Bibelmit seinen Kindern nachspielen, und nutzte dafür gekaufte Spielfiguren, einer Marke, die für ihre Figuren bekannt ist. Damit die Figuren auch in die Szenen passten bastete er ihnen neue Kostüme und schöne Kulissen.

Die Ergebnisse dieses Spiels gelangen ihm so gut, dass er alles fotografierte und im Internet präsentierte. Und er gab seinem Projekt den Namen: *Marke*-Bibel.

(Ich werde den Namen Playmobil hier nicht erwähnen, sonst geht es mir bald ebenso, wie dem Pfarrer)

Die Firma fühlte sich jedoch von der Kreativität des Mannes angegriffen und drohte ihm mit einer Klage. Wofür weiß wahrscheinlich die Firma selbst nicht so genau. Der Pfarrer hatte dennoch Angst um sein schönes Projekt und taufte es daher um in: Klicky-Bibel.

Das war der Firma jedoch nicht genug. Sie bedrohten ihn weiterhin, er dürfe keine Fotos von ihren Figuren ausstellen, und erst recht dürfe er ihnen keine neuen Kostüme anziehen und sicher dürfe er auch nicht mit den Figuren spielen.

Denn dies hatte der Pfarrer in seiner Naivität übersehen: Spielfiguren sind nicht zum Spielen gemacht. Der Name mag ein wenig verwirrend klingen, aber er ist notwendig für die wahre Bedeutung der Figuren. Als „Geldmachfiguren“ wären sie wohl nur halb so erfolgreich.

Nach langem hin und her hat der Pfarrer wohl doch aufgegeben, und seine Klicky-Bibelaus dem Netz entfernt.
Auch wenn ich selbst mit den religiösen Inhalten seiner Seite nichts anfangen kann, rufe ich hier laut zur Solidarität auf. Wie kann es angehen, dass in einem Land, das sich selbst frei schimpft Personen von Konzernen in die Knie gezwungen werden, ohne etwas Unrechtes getan zu haben?
Wie kann es angehen, dass Kreativität nur hinter geschlossenen Türen ausgelebt werden darf? Muss etwa in Zukunft jeder Künstler erst beim Hersteller seiner Materialien um Erlaubnis bitten, seine Werke auch ausstellen zu dürfen?
Soweit dürfen wir es nicht kommen lassen. Daher erlaube ich mir, einige Bilder, die ich über „Im Namen Gottes“ noch erwischen konnte, erneut zu veröffentlichen.
t_ml6_213playmobibel_jesusDEU Playmobil BibelEs tut mir leid, dass ich nicht früher erkannt habe, wie stark dieser Konzern tatsächlich ist, dann hätte ich mehr Bilder retten können. Aber zumindest sind sie nicht zerstört, sondern nur auf des Pfarrers eigenem Rechner eingesperrt.

Ist Marshall McLuhan ein Borg?

borg-marshall-mcluhanWas dieser Googlesuchende bestätigt vermute ich schon länger. Die Texte die McLuhan fabriziert können nicht von einem normal denkenden Menschen stammen. Und können vor allem nicht von normal denkenden Menschen verstanden und trotzdem für richtig gehalten werden.

McLuhan wird aber dennoch ausgiebig zitiert, und von Wissenschaftlern, die wissen, was sie tun als wichtiger und kompetenter Medientheoretiker vorgestellt.

Dies kann nur einen Grund haben:

McLuhan hat eine unmenschliche (möglicherweise auf Nanosondenebene logische) Denkweise, die von normalen Menschen nicht geteilt werden kann. Sich auf McLuhans Denkweise einzulassen ist also nur aufgrund einer Assimilation möglich. Man gibt damit seine eigene menschliche Denkweise auf, und erhält als Ausgleich den Einblick in die Denkweise der magischen Kanäle.

Aber wie es schon Picard und Kollegen erkannt haben: nur wer von McLuhan als lohnenswert erachtet wird, kann Teil des McLuhan Kollektivs werden. Wenn man ihn nicht bedroht ist man sicher. Aus diesem Grund findet man auch so wenige Stimmen, die sich öffentlich gegen die Meinung McLuhans aussprechen.

Auch ich selbst bin nun in großer Gefahr, und werde mich deswegen erstmal vom Borg- äh McLuhankollektiv fern halten. Aber nicht auf Dauer, die Gefahr ist zu groß um keinen Widerstand zu leisten. Ich glaube nämlich nicht, dass der zwecklos ist.

Das jetzt auch noch!

Warum ist das simulierte Töten mit Spielzeugen schädlicher, als das Zielschießen mit echten Waffen?

Nach all den Diskussionen über Killerspiele soll nun auch noch ein Verbot von Gotcha und Laserdomeanlagen folgen. Das Kriegsspiel mit Farbkugel- oder Laserpistolen wäre sittenwidrig, da hier das Töten von Menschen simuliert wird. Dies ist zumindest konsequent. Bei Videospielen ist das Kriterium, ob die Spiele anstößig sind oder nicht, ob die Gegner menschenähnliche Form haben oder nicht. Das Jagen  von Tieren oder Zerstören von Maschinen gilt als vertretbar, das Töten von Menschen dagegen dürfe kein Inhalt von Spielen sein.

Genau dies wird aber bei den beiden Waffenspielen simuliert. Man läuft mit einer Waffe durch ein abgestecktes Gelände, und kann auf andere Spieler schießen. Wer getroffen wird muss das Spielfeld verlassen.

Als ich selbst noch ein Kind war, wurde mir einmal die Geschichte eines Jungen erzählt, der immer Krieg spielen wollte. Sein Vater war von der Idee gar nicht begeistert, doch der Junge wollte sich auf kein anderes Spiel einlassen. Schließlich entschied der Vater mit dem Sohn gemeinsam Krieg zu spielen. Der Junge lief sofort los und ballerte mit einer eingebildeten Waffe auf eingebildete Gegner. Da schrie der Vater auf und mimte einen Treffer.

Der Kleine lief sofort zu ihm um sich nach dem befinden zu erkundigen, und der Vater erklärte er sei tödlich getroffen worden. Dem Kind wurde es unheimlich und er rief nach seiner Mutter, aber der Vater erklärte, sie sei ebenfalls getötet worden. Genau wie seine Geschwister und Freunde.

Dieser Ausblick auf die Gefahren eines echten Krieges haben dem Jungen den Spaß am Krieg spielen ein für alle mal verdorben.

In dieser Geschichte verlor der Junge die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit. Die Darstellung von Schmerzen durch seinen Vater war so realistisch, dass er vergaß, dass es ein Spiel war. In dem Beispiel war genau das vom Vater bezweckt. Er wollte dem Jungen zeigen, wie ein echter Krieg sich anfühlt, damit er begriff, dass dies kein Inhalt für ein Spiel sein darf.

Es handelt sich aber um eine sehr naive Geschichte.

Jungs spielen schon seit Generationen Krieg miteinander. Nie hatten sie dabei das Problem Spiel und Wirklichkeit voneinander zu trennen. Fragwürdig wurden diese Spiele erst, als mit Unterstützung der Spieleindustrie die ästhetischen Qualitäten immer weiter zunahmen.

Längst spielen Kinder nicht mehr mit einfachen Knüppeln, denen nur ihre Phantasie die Eigenschaften einer Waffe verleihen kann. In Computerspielen eröffnen sich ganz neue Welten, in denen der Spieler nicht mehr selbst agiert, sondern eine Figur auf dem Bildschirm steuert. Als Ausgleich für die fehlende Involviertheit wird ständig an einer realistischeren Darstellung der Gegner gearbeitet.

Daneben stehen die Spiele Gotcha oder Laserdome. Hier sind die Gegner reale Mitspieler. Ich bewege mich selbst durch das Spiel. Die Ähnlichkiet zum realen Krieg ist dadurch wesentlich größer, als bei Computerspielen. Aber auch hierfür gibt es einen Ausgleich.

Die Getroffenen fallen nicht tot um.  Im Gegenteil. Sie können sich beschweren, dass man ihnen den Spaß verdorben hat. Sie können anklagen, falls man gegen die Regeln verstoßen hat. In jedem Fall aber werden sie (lachend oder schimpfend) das Spielfeld aus eigener Kraft verlassen, und stehen für weitere Spiele oder ein abschließendes Gespräch zur Verfügung.

Es sind in diesen Spielen eben nicht computergenerierte Zielscheiben, die ich treffen möchte, sondern agierende Personen, die sich ein eigenes Bild vom Spiel machen können, die mir antworten, mit denen ich gemeinsam spielen kann. Allein hierdurch tritt aber der Effekt, den die Politiker fürchten gar nicht erst ein.

Ich versuche nicht Gegner zu töten, sondern gegen Mitspieler zu punkten. Die Motivation des SPiels unterscheidet sich kaum von Ballspielen. Hier allen voran Völkerball oder Dutchball.

Ich versuche den Mitspieler zu treffen, um Punkte zu machen, nicht um den Mitspieler auszuschalten. Ich befinde mich in einer Spielsituation nicht in der Realität. Diese Grenze lässt sich nicht so einfach verwischen, wie in der Geschichte vom Jungen der Krieg spielen wollte.

Darum heißt es ja Krieg SPIELEN.

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