Kennen Sie diese Krankheit?
Menschen jeden Alters können sich nicht mehr auf die Straße wagen, ohne Kopfhörer in ihren Ohren. Die Kabel sind dezent unter dem Oberteil versteckt, wie die Whiskyflasche bei US-Säufern in der Papiertüte. Man sieht sie genau, aber dort im Verborgenen sind sie geduldet. Im Restaurant werden gerade für die Bestellung die Stöpsel aus den Ohren gezogen, manche bleiben dann für kurze Zeit im Kragen baumeln, andere wandern sofort wieder dahin, wo sie gehören. Die Ohrstöpsel werden seltener vergessen, als die Haustürschlüssel. Mal eben zum Bäcker um die Ecke? Nicht ohne meine Stöpsel!
Was verursacht diese Sucht? Ist es die Musikberieselung, die via Stöpsel aus dem MP3-Player dringt? Ist der Alltag so unerträglich geworden, dass er ohne Soundtrack nicht mehr auszuhalten ist. Fühlt man sich vielleicht wie in einem Film, in dem die musikfreien Szenen meist mit dem Tod der gezeigten Figur enden?
Die grassierende Kopfhöritis könnte demnach eine Art Paranoia sein, die dringend behandelt werden sollte. Statt dessen greift die Krankheit, begünstigt durch größer werdende Akzeptanz der Symptome, immer weiter um sich.
Statt Akzeptanz sollte aber mehr Toleranz unser Gebot sein. Die Kophörer also lieber als Toleranzschleife am Revers statt als Krankheitssymptom aus dem Kragen baumeln haben.
GIB KOPFHÖRITIS KEINE CHANCE!