Archiv fürAugust, 2008

Dürfen Eltern alles?

Ich stellte mir die Frage, während ich gestern im Fernsehen eine Dokusoap rein zog, die eine allein erziehende Mutter mit ihrem 12jährigen Sohn zeigte.

OK- Dokusoap ist nicht gleich Dokumentation, aber dieses Reality-TV hat doch zumindest den Anspruch Tatsachen zu zeigen und nicht Fiktion. Deswegen gehe ich von der traurigen Tatsache aus, dass diese Mutter tatsächlich alleiniges Recht hat für ihren Sohn zu entscheiden.

Nein, sie hat ihn nicht geschlagen oder vernachlässigt, oder was sonst so in unserer Gesellschaft als Misshandlung gilt. Sie hat ihn gefördert.

Oder gefordert.

Klingt jetzt erst mal nach guter Erziehung. Aber es wird wohl jedem bewusst sein, dass es möglich ist Kinder zu ÜBERFORDERN.

Und genau das war hier geschehen. Auf eine Weise, die meiner Meinung nach bereits Missbrauch genannt werden muss.

Der Junge sollte Musicalstar werden.

Zu diesem Zweck bekam er Gesangsunterricht, Ballettstunden, Turntraining, Rollkunstlaufübungen und und und.

Jeweils dreimal die Woche und abends zu Hause musste er seine Show fürs Musicalcasting im Wohnzimmer vorführen.

Es könnte in Ordnung sein, wenn der Junge Spaß daran gehabt hätte, oder wenn er selbst dieses hohe Ziel gehabt hätte.

Aber das Gegenteil war der Fall.

Beim Ballett hat er sich regelrecht geschämt, als einziger Junge in der Klasse. Auf den Rollkunstlauf hatte er keine Lust, weil er nach einer anstrengenden Woche einfach nur müde war. Doch seine Mutter kannte keine Gnade. Schleppte ihn von einem Termin zum nächsten. Ließ ihm weder Zeit für Freunde, noch für seine eigentlichen Interessen.

Jeder der vielen Trainer sagte ihr, das Kind sei überfordert, sie solle ihm eine normale Kindheit ermöglichen, doch ihre Reaktion war:

„Ich lass mir doch nicht von jedem Dahergelaufenen sagen, was ich zu tun oder zu lassen habe. Noch bin ich nicht entmündigt!“

Diese Reaktion hat mich schockiert.

Sie sprach nicht einmal davon, dass sie das beste für ihr Kind erreichen wolle, sie sagte einfach nur, dass es doch in ihrer Freiheit bestünde ihr Kind abzutreiben.

Sie fühlte sich bloß in ihrer Ehre verletzt, als andere ihr Erziehungsratschläge gaben. Es ging nicht einmal darum zu ergründen ob die Ratschläge gut oder schlecht waren.

Sie kamen von anderen Menschen, und damit lag es allein in ihrer Freiheit die Ratschläge in den Wind u schießen. Ungeachtet dessen, was für das Kind besser wäre. Ungeachtet dessen ob die Leute das Kind kannten.

Und als Sporttrainer, der einen Jungen dreimal die Woche sieht, lernt man ein Kind gut genug kennen, um den Eltern einen Rat geben zu können.

Sind Eltern wirklich allein für ihre Kinder verantwortlich. Und haben sie wirklich das alleinige Recht ihre Kinder zu verkorksen? Bei Vernachlässigung und Gewalt sind wir uns alle einig, dass das Recht der Eltern nicht grenzenlos ist, und vor allem nie über das Recht der Kinder gestellt werden darf.

Aber Einmischung von dritten ist immer noch verpönt. Wenn das Jugendamt sich mal in einer Entscheidung irrt und etwa zu früh die Alarmglocken läutet und sich einmischt, dann ist das Geschrei in den Medien anschließend wieder groß. Einmischung in die Privatsphäre, Überschreitung der Kompetenzen, Überwachungsstaat. Ungerechtigkeit.

Wenn aber dann ein Hilfsversuch scheitert, und ein Kind stirbt, fragen alle, wo denn das Jugendamt war, warum denn niemand geholfen hat.

Die Leute vom Jugendamt sollen so eine Art Superheld sein. Einspringen wenn Lebensgefahr besteht, in letzter Sekunde die Kinder aus den Flammen ziehen und sonst unauffällig ihr Dasein fristen, möglichst ohne ihre Fähigkeiten preis zugeben. Und andere Menschen haben sowieso nie das Recht sich einzumischen.

Ja selbst wenn der Nachbar nebenan Schreie hört, ist er der Buhmann der Nation, wenn er Hilfe holt.

Eltern dürfen scheinbar hierzulande alles, außer ihre Kinder zu töten.

Aber der Tod ist doch nicht die einzige Gefahr, die Kindern drohen kann. Selbst gute Eltern können Fehler machen. Das ist menschlich.

Aber in dieser Gesellschaft herrscht eine merkwürdige Doppelmoral was die Rechte von Kindern angeht.

Diese Rechte sind zwar gesetzlich geschützt.

Aber niemand als die Eltern selbst darf darüber wachen, ob die Rechte auch gewährt werden.

Aber die Kinder wachsen doch nicht allein in einer Familie auf, sondern in einer viel größeren Gemeinschaft. Viele Erwachsene stehen in regelmäßigem Kontakt zu den Zwergen, wissen als Lehrer, Trainer oder Nachbar oft auch Bescheid, was die Kinder bewegt.

Dann besteht doch für jeden Menschen nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht darauf zu achten, das aus den Kindern mal gute Menschen werden.

Und wenn man als Mutter fünfmal, von verschiedenen Menschen, die das Kind alle gut kennen, gesagt bekommt, dass man es überfordert, dass sich die Erziehungsmethode rächen wird, dann kann man doch als normal denkender Mensch nicht hingehen, und diese verantwortungsbewussten Menschen asozial nennen, und ihre Warnungen einfach in den Wind schlagen.

Alle Freaks außer ich!

Naja die meisten.

Einige wenige leute gibt es, die wirklich Ahnung von Musik haben. Die sich Sachen anhören, weil sie wissen, dass es gut ist. Diese Leute haben meist auch einen musischen Universitätsabschluss.

Vielleicht gibt ees so zwei oder drei in jeder Generation, die ohne wissenschafltiche Ausbildung eine Ahnung von Musik haben können.

Der Rest unterscheidet, genau wie ich, bloß zwischen angenehmen und unangenehmen Geräuschen.

Was als angenehm empfunden wird variiert normalerweise mit der jeweiligen Stimmung die man gerade hat. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird deswegen der Musik eine Stimmung zugesprochen.

Blödsinn!

Ich habe mir schon mal von einem Musikwissenschaftler einige Stücke erklären lassen. Und die Kriterien, die ein Stück traurig machen, können an anderer Stelle fröhlich klingen. Weil eben die Stimmung nicht im Stück liegt, sondern in dem Menschen, der sie hört.

Ich bin gerne bereit hier einen gewissen Grad an Intersubjektitivtät einzugestehen. Das heißt aber nicht, dass Menschen ein Gespür für Musik haben. Das heißt eigentlich nur, dass die Stücke, die die Gefühle ansprechen von einem der wenigen Musikbegabten fabriziert wurde.

Was heute leider immer seltener vorkommt. Denn in der Musikindustrie zählt nicht mehr gute Musik, sondern nur noch gute Verkaufbarkeit. Kein Wunder, die meisten Käufer können gute von schlechter Musik ohnehin nicht unterscheiden.

Aber wie kommt es nun, dass früher scheinbar bessere Musik gemacht wurde? Keine Ahnung, vielelicht hatten die Leute früher einfach das Selbstbewusstsein zuzugeben, dass sie selbst keine Ahnung hatten, und hielten sich deswegen an die Expertenratschläge.

Oder sie taten so, als ob sie Ahnung hätten, um das aber besser zu verkaufen, wiederkäuten sie die Expertenratschläge.

In jedem Fall hatten Musikexperten früher mehr zu melden. Glaube ich. Möglicherweise war die Musik damals schon genauso schlecht wie heute. Kann ich nicht beurteilen.

Ich hab nämlich das Selbstbewusstsein zuzugeben, dass ich keine Ahnung von Musik habe. Deswegen kann ich auch die ständigen Fragen darüber, welche Musikrichtung ich bevorzuge nicht beantworten.

Dazu müsste ich die Musikrichtugnen auseinanderhalten können Leute!

Das kann von allen anderen leider auch kaum jemand. Deswegen steht das meist auf der CD Hülle drauf. dann kann man so tun als ob man Ahnung hätte, indem man wiederkäut, was auf der Verpackung steht.

Macht die Musik wirklich einen Unterschied?

Trifft man sich nicht eigentlich mit anderen Menschen um deren Gesellschaft zu genießen, Gespräche zu führen oder die gegenseitige Gewöhnung zu festigen?

Bei den meisten Leuten, die heutzutage die eigene oder gemieteten vier Wände verlassen, scheint das nicht mehr wirklich der Fall zu sein. Man trifft sich in dunklen Bars oder Diskotheken in denen möglichst laute Musik gespielt wird, um nur ja nicht in die Verlegenheit geraten zu müssen Worte miteinander wechseln zu müssen. Sprechen ist sowas von aus der Mode gekommen, wenn man nicht mindestens schreien muss um ein frisches den Geist benebelndes Glas Flüssigdroge zu bestellen, dann ist der Ort nicht mehr gesellschaftsfähig. Ruhe gehört nach Hause. Worte an den Arbeitsplatz.

Ist es da wirklich noch wichtig welche Geräusche einem den sicheren Schutz vor der Konversation bieten. Würde es ein Presslufthammer nicht genau so gut tun? Wir sind ja immerhin schon so weit, dass bekennende Anhänger verschiedener Musikrichtungen trotz auffallend unterschiedlicher Aussagen in ihren Kleidungsstilen friedlich miteinander ihre Zeit verbringen. Die zu den Kleidungsstilen passende Musik wird wohl in ähnlicher Mixtur geboten.

Da kann mir doch keiner erzählen, dass es auf die Art der Musik ankommt. Wenn Tekker und Metalfans, Hiphopper und Rocker, Gothics und Schlagerliebhaber gemeinsam zur Musik tanzen und guter Stimmung sind, dann haben die Lieder doch weniger miteinander, als mit den Geräuschen, die volltrunkene Bauarbeiter kurz vor Feierabend beim Aufräumen von sich geben, gemeinsam. (Glaube ich wenigstens, ich habe einfach die Geräusche mir bekannter Baustellen mit dem Promillepegel multipliziert, um einen Vergleichswert zu haben)

Mir braucht jetzt keiner vorzuwerfen ich hätte keine Ahnung von Musik. Das weiß ich. Aber im Gegensatz zu den meisten heute bekannten Musikern und Musikhörern bin ich mir dessen bewusst. Für mich selbst habe ich Musik einmal definiert als angenehmes Geräusch. Nach intensiver Belehrung bin ich auch bereit die Intention, als Kriterium für Musik aufzunehmen. Also die Absicht eines Menschen, dass er Musik machen wollte, als er das Geräusch produziert hat. Deswegen fällt aber angenehm aus meiner Definition nicht heraus. Unangenehme Geräusche sind eine Angriffswaffe. Und genau dass wird aus den meisten Tonaufnahmen, wenn sie in der heute üblichen Diskolautstärke wiedergegeben werden.

Diese Lautstärke tut in den Ohren weh, und verhindert jede zwischenmenschliche Kontaktaufnahme, mit Ausnahme der auf Körperflüssigkeitsaustausch zielenden. Sprich: Wer heute in eine Disko geht, will Sex mit einem Unbekannten oder bleibt allein. Da der Weg von der Tanzfläche bis ins Schlafzimmer aber gefährlich leise ist, würden die meisten am liebsten mitten im Tanztempel losrammeln. Im Rhythmus des ohrenbetäubenden Presslufthammers natürlich.

Weil die Wortfreie Anmache aber leider noch nicht von allen perfekt beherrscht wird, sucht man sich in Internetsinglebörsen, und die erste Frage, die gestellt wird: Welche Musik hörst du?