Trifft man sich nicht eigentlich mit anderen Menschen um deren Gesellschaft zu genießen, Gespräche zu führen oder die gegenseitige Gewöhnung zu festigen?
Bei den meisten Leuten, die heutzutage die eigene oder gemieteten vier Wände verlassen, scheint das nicht mehr wirklich der Fall zu sein. Man trifft sich in dunklen Bars oder Diskotheken in denen möglichst laute Musik gespielt wird, um nur ja nicht in die Verlegenheit geraten zu müssen Worte miteinander wechseln zu müssen. Sprechen ist sowas von aus der Mode gekommen, wenn man nicht mindestens schreien muss um ein frisches den Geist benebelndes Glas Flüssigdroge zu bestellen, dann ist der Ort nicht mehr gesellschaftsfähig. Ruhe gehört nach Hause. Worte an den Arbeitsplatz.
Ist es da wirklich noch wichtig welche Geräusche einem den sicheren Schutz vor der Konversation bieten. Würde es ein Presslufthammer nicht genau so gut tun? Wir sind ja immerhin schon so weit, dass bekennende Anhänger verschiedener Musikrichtungen trotz auffallend unterschiedlicher Aussagen in ihren Kleidungsstilen friedlich miteinander ihre Zeit verbringen. Die zu den Kleidungsstilen passende Musik wird wohl in ähnlicher Mixtur geboten.
Da kann mir doch keiner erzählen, dass es auf die Art der Musik ankommt. Wenn Tekker und Metalfans, Hiphopper und Rocker, Gothics und Schlagerliebhaber gemeinsam zur Musik tanzen und guter Stimmung sind, dann haben die Lieder doch weniger miteinander, als mit den Geräuschen, die volltrunkene Bauarbeiter kurz vor Feierabend beim Aufräumen von sich geben, gemeinsam. (Glaube ich wenigstens, ich habe einfach die Geräusche mir bekannter Baustellen mit dem Promillepegel multipliziert, um einen Vergleichswert zu haben)
Mir braucht jetzt keiner vorzuwerfen ich hätte keine Ahnung von Musik. Das weiß ich. Aber im Gegensatz zu den meisten heute bekannten Musikern und Musikhörern bin ich mir dessen bewusst. Für mich selbst habe ich Musik einmal definiert als angenehmes Geräusch. Nach intensiver Belehrung bin ich auch bereit die Intention, als Kriterium für Musik aufzunehmen. Also die Absicht eines Menschen, dass er Musik machen wollte, als er das Geräusch produziert hat. Deswegen fällt aber angenehm aus meiner Definition nicht heraus. Unangenehme Geräusche sind eine Angriffswaffe. Und genau dass wird aus den meisten Tonaufnahmen, wenn sie in der heute üblichen Diskolautstärke wiedergegeben werden.
Diese Lautstärke tut in den Ohren weh, und verhindert jede zwischenmenschliche Kontaktaufnahme, mit Ausnahme der auf Körperflüssigkeitsaustausch zielenden. Sprich: Wer heute in eine Disko geht, will Sex mit einem Unbekannten oder bleibt allein. Da der Weg von der Tanzfläche bis ins Schlafzimmer aber gefährlich leise ist, würden die meisten am liebsten mitten im Tanztempel losrammeln. Im Rhythmus des ohrenbetäubenden Presslufthammers natürlich.
Weil die Wortfreie Anmache aber leider noch nicht von allen perfekt beherrscht wird, sucht man sich in Internetsinglebörsen, und die erste Frage, die gestellt wird: Welche Musik hörst du?