Auf diese ungewöhnliche Frage komme ich natürlich nicht allein. Ich folge hiermit einer Blogparade, die vom Philostammtisch aufgegriffen und so an mich geleitet wurde.
In nur einem Beitrag auf diese Frage zu antworten scheint mir ein wenig vermessen, aber machbar.
Falls man das ganze nicht so ernst nimmt.
The last Human
Lady Cassandra, der letzte Mensch bei den Feierlichkeiten zur Endgültigen Zerstörung der Erde.
Nun, sie sieht vielleicht ein wenig aus wie ein Trampolin mit Gesicht, dafür ist sie aber die letzte, die eine rein menschliche Ahnentafel vorweisen kann.
Und genau dies ist die wohl einfachste Definition eines Menschen: Mensch ist, wessen Eltern bereits Menschen waren. Vorteil dieser Definition: Äußerliche Defizite, wie das fehlen von Armen und Beinen, Organen oder Knochen (Bei diesem Beispiel weiß man kaum wo man aufhören soll) nimmt einen nicht mehr aus der Definition aus. Es gibt keine Behinderung, durch die einem das Menschsein abgesprochen werden könnte. Doch was, wenn ein Mensch via künstliche Befruchtung einen Affen oder ein Schaf zur Welt bringt? Ja! Genetik, DNA klar doch, keine echte Frage. Wirklich schwierig wird es aber wieder, wenn man nicht einfach wissen will, wer alles Mensch ist, sondern was genau ein Mensch ist.
Der Witz bei der Serienfigur Lady Cassandra ist, dass sie sich nicht nur durch ihr Aussehen, sondern auch durch ihr Verhalten von unserem Idealbild eines Menschen sehr unterscheidet. Die sogenannte „Menschlichkeit“, die in vielen ScienceFiction Geschichten mit den Eigenschaften Mitgefühl, Neugier und Gerechtigkeitssinn beschrieben wird, fehlt diesem letzten Menschen ganz. Sie ist das, was auch in anderen Genres gerne als „Unmensch“ bezeichnet wird.

Borg
Sind es wirklich diese Eigenschaften, die einen Menschen zum Menschen machen? Die Borg bei Star Trek schalten ebenfalls bei assimilierten Menschen diese Eigenschaften aus, um sie zu richtigen Borg machen zu können. Was diesen ebenfalls fehlt ist Individualtität. „Wir sind Borg“ Millionen Exemplare dieser Menschmaschinenwesen teilen sich ein Bewußtsein. Gedanken strömen durch alle Köpfe hindurch, und eigene Gedanken lassen sich dadurch, dass sie mit allen geteilt werden nicht denken. Das Kollektiv ist eines. Eine Bezeichnung für die einzelnen entspricht etwa unserer Bezeichnung für einzelne Körperteile.
Muss man ein selbst sein, um Mensch zu sein?
Würde der berühmte Wunsch sich selbst Up zu Loaden genau dadurch die Menschlichkeit zerstören, dass ein Selbst nicht mehr möglich wäre, wenn Gedanken und Gefühle uneingeschränkt geteilt werden? Im virtuellen Raum wäre eine Grenze zwischen den Bewußtseinen wohl kaum möglich.
Oder doch?

Cyberspace
Selbst wenn,
würden die Daten in unserem Kopf reichen, Mensch zu bleiben?
Ist nicht eines der ursprünglichsten menschlichen Phänomene die Dualität von Leib und Seele, Geist und Körper, Gedanken und Muskeln?
All dies lässt vermuten, dass unsere genetische Abstammung nicht mehr entscheidend für Menschlichkeit ist. Doch was genau macht uns zum Menschen?

Pinocchio
Das wollte schon Pinocchio wissen. Er erreichte sein Ziel allerdings erst, als eine Fee ihm einen Körper aus Fleisch und Blut gab.
Hatte er den wirklich nötig? Wäre eine Holzpuppe mit Bewußtsein nicht ebenso Mensch, wie die anderen Menschen, und der Körper aus Fleisch und Blut eine Art Schönheitsoperation?

Womit wir wieder am Anfang wären.