Warum ist das simulierte Töten mit Spielzeugen schädlicher, als das Zielschießen mit echten Waffen?
Nach all den Diskussionen über Killerspiele soll nun auch noch ein Verbot von Gotcha und Laserdomeanlagen folgen. Das Kriegsspiel mit Farbkugel- oder Laserpistolen wäre sittenwidrig, da hier das Töten von Menschen simuliert wird. Dies ist zumindest konsequent. Bei Videospielen ist das Kriterium, ob die Spiele anstößig sind oder nicht, ob die Gegner menschenähnliche Form haben oder nicht. Das Jagen von Tieren oder Zerstören von Maschinen gilt als vertretbar, das Töten von Menschen dagegen dürfe kein Inhalt von Spielen sein.
Genau dies wird aber bei den beiden Waffenspielen simuliert. Man läuft mit einer Waffe durch ein abgestecktes Gelände, und kann auf andere Spieler schießen. Wer getroffen wird muss das Spielfeld verlassen.
Als ich selbst noch ein Kind war, wurde mir einmal die Geschichte eines Jungen erzählt, der immer Krieg spielen wollte. Sein Vater war von der Idee gar nicht begeistert, doch der Junge wollte sich auf kein anderes Spiel einlassen. Schließlich entschied der Vater mit dem Sohn gemeinsam Krieg zu spielen. Der Junge lief sofort los und ballerte mit einer eingebildeten Waffe auf eingebildete Gegner. Da schrie der Vater auf und mimte einen Treffer.
Der Kleine lief sofort zu ihm um sich nach dem befinden zu erkundigen, und der Vater erklärte er sei tödlich getroffen worden. Dem Kind wurde es unheimlich und er rief nach seiner Mutter, aber der Vater erklärte, sie sei ebenfalls getötet worden. Genau wie seine Geschwister und Freunde.
Dieser Ausblick auf die Gefahren eines echten Krieges haben dem Jungen den Spaß am Krieg spielen ein für alle mal verdorben.
In dieser Geschichte verlor der Junge die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit. Die Darstellung von Schmerzen durch seinen Vater war so realistisch, dass er vergaß, dass es ein Spiel war. In dem Beispiel war genau das vom Vater bezweckt. Er wollte dem Jungen zeigen, wie ein echter Krieg sich anfühlt, damit er begriff, dass dies kein Inhalt für ein Spiel sein darf.
Es handelt sich aber um eine sehr naive Geschichte.
Jungs spielen schon seit Generationen Krieg miteinander. Nie hatten sie dabei das Problem Spiel und Wirklichkeit voneinander zu trennen. Fragwürdig wurden diese Spiele erst, als mit Unterstützung der Spieleindustrie die ästhetischen Qualitäten immer weiter zunahmen.
Längst spielen Kinder nicht mehr mit einfachen Knüppeln, denen nur ihre Phantasie die Eigenschaften einer Waffe verleihen kann. In Computerspielen eröffnen sich ganz neue Welten, in denen der Spieler nicht mehr selbst agiert, sondern eine Figur auf dem Bildschirm steuert. Als Ausgleich für die fehlende Involviertheit wird ständig an einer realistischeren Darstellung der Gegner gearbeitet.
Daneben stehen die Spiele Gotcha oder Laserdome. Hier sind die Gegner reale Mitspieler. Ich bewege mich selbst durch das Spiel. Die Ähnlichkiet zum realen Krieg ist dadurch wesentlich größer, als bei Computerspielen. Aber auch hierfür gibt es einen Ausgleich.
Die Getroffenen fallen nicht tot um. Im Gegenteil. Sie können sich beschweren, dass man ihnen den Spaß verdorben hat. Sie können anklagen, falls man gegen die Regeln verstoßen hat. In jedem Fall aber werden sie (lachend oder schimpfend) das Spielfeld aus eigener Kraft verlassen, und stehen für weitere Spiele oder ein abschließendes Gespräch zur Verfügung.
Es sind in diesen Spielen eben nicht computergenerierte Zielscheiben, die ich treffen möchte, sondern agierende Personen, die sich ein eigenes Bild vom Spiel machen können, die mir antworten, mit denen ich gemeinsam spielen kann. Allein hierdurch tritt aber der Effekt, den die Politiker fürchten gar nicht erst ein.
Ich versuche nicht Gegner zu töten, sondern gegen Mitspieler zu punkten. Die Motivation des SPiels unterscheidet sich kaum von Ballspielen. Hier allen voran Völkerball oder Dutchball.
Ich versuche den Mitspieler zu treffen, um Punkte zu machen, nicht um den Mitspieler auszuschalten. Ich befinde mich in einer Spielsituation nicht in der Realität. Diese Grenze lässt sich nicht so einfach verwischen, wie in der Geschichte vom Jungen der Krieg spielen wollte.
Darum heißt es ja Krieg SPIELEN.