Archiv fürAugust, 2009

Warum „Nichtwählen“ keine Option ist.

Die Versuchung war selten so groß wie in diesem Jahr, das Wählen einfach sein zu lassen. Die Parteien (zumindest die, von denen in den Medien die Rede ist) waren sich selten so einig, was richtig und was falsch ist. Wohl auch deshalb findet ein Wahlkampf bisher scheinbar nicht statt.
Wie soll man als Partei für sich werben, wenn man doch das selbe sagt, wie der politische Gegner? Die einen stecken den Kopf in den Sand in der Hoffnung, die Wahl werde vorrüberziehen. Die anderen werben damit, dass die anderen den Kopf in den Sand stecken, in der Hoffnung die Wahl werde vorrüberziehen. Doch anfangen mit dem Wahlkampf will keiner. Aus Angst der Arschtritt könnte zur Gegenwehr auffordern.
Da gehen auch viele Wähler hin und denken, die Wahl wird so oder so bald hinter uns liegen, und dann ist wieder alles wie jetzt auch. Wozu also sich den Sonntag nachmittag mit dem mühsamen Gang zur Wahlurne erschweren?

Punkt 1: Der Sonntag nachmittag ist kein Argument, man kann sich den Wahlzettel ja auch nach Hause kommen lassen.

Punkt 2: Das hinter der Wahl alles so aussieht wie vorher schon, dass hat auch ein wenig mit denen zu tun, die wählen gehen. Schließlich hat jeder eine Stimme und je nachdem welche Partei am häufigsten angekreuzt wird, desto … Aber das weiß ja jeder, so funktioniert die Wahl eben.

Und wenn es keinen Unterschied macht, ob die Regierung anschließend schwarz-rot oder gün-gelb ist, dann scheint es ja doch keinen Unterschied zu machen ob ich wähle oder nicht.

FALSCH!

Denn als Wahlberechtigter wähle ich immer. Ungeachtet dessen, ob mein Wahlzettel genutzt wurde oder nicht. Meine Stimme landet in der großen Statistik, wird aufgerechnet.
Die moderne Demokratie geht nämlich immer und unbedingt davon aus, dass die große Fraktion der Nichtwähler (22,3 %) sich repräsentativ aus den gewählten Parteien zusammensetzt. Dass heißt man geht unhinterfragt davon aus, dass, wenn man diese 22,3% der Nichtwähler zur Stimmabgabe zwingen würde, sie das gesamtergebnis der Wahl nicht verändern würden.
Oder im Klartext: Jeder der 2005 nicht gewählt hat stimmte jeweils zu einem Drittel für Union und SPD sowie dem letzten Drittel für FDP, Grüne und Linkspartei
Ja schauen Sie hin, werter Nichtwähler. Das war Ihre Stimme! Sie wurde mitgezählt. Und zwar genauso.

Daran wird sich auch nichts ändern, wenn Sie in diesem Jahr ihre Wahlbenachrichtigung an den Wahlboykott schicken, böse Briefe an die Regierung darauf schreiben oder ohne Kreuz in die Urne stecken. Ihre Stimme wird gezählt. Und Sie überlassen es anderen an Ihrer Stelle zu entscheiden, wie Ihre Stimme aussieht.

Das ist das Gegenteil von Anarchie!
Für diese Haltung gibt es bisher noch nicht einmal ein Wort. Oder wie heißt das Volk, das sich freiwillig einen Despoten an die Spitze setzt? Das gab es bisher noch nicht. Jahrhundertelang wurde für die freie Wahl gekämpft, und wie verschenken sie einfach? Aus Faulheit? Aus Resignation?
Das kann nicht der richtige Weg sein.

Ich gebe zu, ich habe auch keinen Allheilvorschlag, gegen den Einheitsparteienbrei. Aber vielleicht eine Idee:
Konkurrenz belebt das Geschäft.
Ob sich diese Idee als gut heraus stellt, will ich in den nächsten Wochen noch erörtern.
Es gibt zwei Möglichkeiten:
Zum einen kann eine Regierungspartei nicht leugnen, wenn 30% der Wähler weder Regierung noch Opposition sondern die „Anderen“ gewählt haben.
Zum anderen kann es sein, dass ab und zu eine neue Partei über der 5% Hürde frischen Wind in den Laden bringt.

Oh! Halt! Wollen wir nicht vorschnell urteilen. Vielleicht taugt ja sogar eine der „Bif Five“ zu etwas.