Gerade finden die ersten Diskussionen über die Erkenntnisse, die im Duell gewonnen werden konnten statt. Wer hat wo wieviele Punkte gemacht. Wer war sympathischer, fairer, kompetenter und und und.
Doch der Sinn dieses Duells erschließt sich in bezug auf die kommende Wahl nicht.
OK.
Die Erfahrung zeigt, dass es tatsächlich nur zwei Kandidaten gibt, die eine echte Chance haben Kanzler zu werden. Doch wir haben in diesem Land kein zwei Parteien System. Wir entscheiden nicht zwischen CDU und SPD. Es sind fünf aktuell bereits vertretene Parteien, mit denen gerechnet werden muss. Dass die anderen in dieser Rechnung weggelassen werden, kann ich ja noch verstehen. Zum einen aufgrund der Übersichtlichkeit der Diskussion, zum anderen, weil es Parteien gibt, die nicht zu jeder Frage eine Meinung haben.
Doch zumindest die Meinungen der möglichen Koaltitionspartner, die ja auch die Handlungsmöglichkeiten des Kanzlers einschränken würden, sind für die Wahlentscheidung wichtig.
Rot-grün macht eben eine andere Politik als rot-rot oder gar rot-gelb. Ebenso würde schwarz-gelb anders aussehen als Jamaika.
Hinzu kommt, dass in einem Fernsehduell Dinge wirken, die mit Politik nicht viel zu tun haben. Sympathie wirkt überwiegend durch Aussehen, Stimmlage oder Ausdrucksweise. Ob Argumente Überzeugungskraft entwickeln, hängt in audiovisuellen Medien stärker von der Sympathie ab, als in schriftlichen.
Als letzter Punkt kommt hinzu, dass die Regeln dieses Fernsehduells einer guten Diskussion eher im Wege stehen. Die Redezeiten sind viel zu kurz gehalten, um eine Argumentation aufbauen zu können. Die Redner haben die Wahl, entweder ihr stärkstes Argument (relativ) genau auszuführen, oder alle Argumente kurz anzureißen. Im ersten Fall besteht die Gefahr, dass der Gegner dieses Argument aushebelt, indem er ein Gegenargument bringt, welches erst mein zweites Argument außer Kraft setzen würde. Im zweiten Fall kann es sein, dass die Zuschauer mich nicht verstehen. Argumente des Gegeners zu entkräften wiederum kostet mich wertvolle Zeit, in denen ich eigene Argumente bringen könnte. Dies wiederum wäre eine Strategie, die mich Sympathiepunkte kostet.
All diese Überlegungen führen meist dazu, dass sehr viele Argumente, die in den Parteiprogrammen bereits angelegt sind, nicht genannt werden. Wichtig wären diese Argumente aber um zu erkennen, wie wichtig den jeweiligen Parteien die Punkte sind, wie Kompromisse mit möglichen Koalitionspartnern aussehen würden.
Alles in allem führt das Kanzlerduell eher zu mehr Verwirrung, als zu einer leichteren Entscheidung. Ein Verzicht hierauf hat also eher politischen Wert.